Gewinnung von Mitforschenden
Für Mitforscher*innen kann die Teilnahme an einem „Co-Creating Our City“ -Projekt anspruchsvoll und zeitaufwendig, aber auch sehr bereichernd sein. Um den Rekrutierungsprozess fair und transparent zu gestalten und ihn auf die Stärken und Interessen deiner zukünftigen Mitforscher*innen abzustimmen, ist es wichtig:
- Relevante Zielgruppen zu identifizieren, deren Perspektiven das Projekt bereichern können.
- Multiplikator*innen und wichtige Vermittler*innen frühzeitig einzubeziehen, um Netzwerke und Vertrauen aufzubauen.
- Potenzielle Teilnehmende über persönliche Kontakte anzusprechen, um Vertrauen und Verbindlichkeit zu schaffen.
- Zielgruppenspezifische Ansätze für die Gewinnung von Teilnehmenden zu nutzen, damit Kommunikation und Einladungen entsprechend angepasst werden und möglichst relevant sind.
- Die Bedingungen der Zusammenarbeit klar zu definieren, um Erwartungen festzulegen und Missverständnisse zu vermeiden.
- Gegenseitige Erwartungen zu klären, einschließlich dessen, was die Mitforschenden beitragen möchten und was sie aus der Zusammenarbeit mitnehmen können.
- Die Bedürfnisse der Teilnehmenden identifizieren und berücksichtigen, um einen inklusiven und stärkenden Prozess zu gewährleisten, damit die Mitforschenden effektiv und zu ihren eigenen Bedingungen teilnehmen können.
Die genaue Anzahl der Mitforschenden, die du einbindest, hängt von deinem Kontext, den konkreten Zielen deines Projekts und dem geplanten Zeitrahmen ab. Aus unserer Erfahrung eignet sich eine Gruppengröße von etwa 15 bis 20 Mitforschenden, sowohl junge Menschen als auch Vertreter*innen in der Stadtverwaltung eingeschlossen. Diese Gruppengröße ermöglicht es allen, sich an Diskussionen – beispielsweise über die Projektziele und Forschungsfrage – zu beteiligen und sich Gehör zu verschaffen, ist aber gleichzeitig groß genug, um die Arbeit effektiv aufzuteilen. Kleinere Gruppen erzielen zwar möglicherweise schneller einen Konsens und entwickeln einen stärkeren Teamgeist, doch aufgrund der geringeren Anzahl an Mitwirkenden kann der Umfang der Forschungs- und Datenerhebung, den die Gruppe bewältigen kann, eingeschränkt sein. Besonders bei Projekten mit einem längeren Zeitrahmen, also solchen, die sich über 6 Monate oder mehr erstrecken, solltest du in Betracht ziehen, mehr Mitforschende zu gewinnen, um Abwesenheiten und vorzeitiges Ausscheiden auszugleichen.
Um den Stimmen junger Menschen im Projekt mehr Gewicht zu geben und die vielfältigen Perspektiven innerhalb dieser Gruppe abzubilden, solltest du in Erwägung ziehen, mehr junge Mitforschende als Vertreter*innen in der Stadtverwaltung zu gewinnen. Das kann auch helfen, Machtungleichgewichte zwischen jungen Menschen und Erwachsenen innerhalb der Gruppe der Mitforschenden anzugehen. Für die Pilotprojekte in Düsseldorf und Charlotte war das Ziel, Gruppen von etwa 20 Mitforschenden zu bilden: 15 junge Menschen und fünf Vertreter*innen aus verschiedenen Bereichen der Stadtpolitik und -verwaltung.
Junge Menschen rekrutieren
Städten fehlen manchmal effiziente Möglichkeiten, einen produktiven Austausch mit jungen Einwohner*innen zu pflegen, insbesondere mit jenen, die unterrepräsentiert oder gefährdet sind oder die bestehende Angebote möglicherweise noch nicht in Anspruch genommen haben. Zu Beginn deines Projekts ist es wichtig, sich diese Gruppen in deiner Community genauer anzusehen und zu klären, wen du als Mitforschende gewinnen möchtest und über welche Kanäle sich diese Personen am besten erreichen lassen.
Um festzulegen, welche Gruppen junger Menschen du für das Projekt gewinnen möchten, kann es hilfreich sein, Folgendes zu berücksichtigen:
- Die soziale Struktur deiner Stadt, etwa mit Blick auf den demographischen Hintergrund oder das Wohngebiet. Du könntest dich dafür entscheiden, junge Menschen über Schulen oder lokale Jugendzentren in bestimmten Gebieten zu gewinnen.
- Vereine oder Subkulturen, mit denen sich junge Menschen identifizieren, beispielsweise Ehrenamtsorganisationen, Sportvereine, Pfadfindergruppen oder religiöse Gruppen.
- Arten von Benachteiligungen, die junge Menschen aufgrund ihrer Lebenssituation erfahren, beispielsweise ob sie erwerbstätig sind oder nicht oder sich in einer formalen Ausbildung befinden oder nicht. In Düsseldorf wurden beispielsweise junge Menschen, die arbeitslos waren und sich nicht in Ausbildung befanden, von Sozialarbeiter*innen in Einrichtungen der Jugendberufshilfe angesprochen.
- Bereits bestehende Strukturen und Möglichkeiten zur Jugendbeteiligung, beispielsweise Jugend- oder Studierendenvertretungen oder lokale Organisationen für bürgerschaftliches Engagement. In Düsseldorf schlug der örtliche Jugendrat Teilnehmende vor. In Charlotte wurde Kontakt zu Communities in Schools, einer landesweit tätigen Organisation zur Unterstützung von unterversorgten jungen Menschen, sowie zu lokalen Organisationen für bürgerschaftliches Engagement und städtischen Einrichtungen aufgenommen, die mit jungen Menschen arbeiten.
Es fühlt sich schon so an, als würde Politik junge Menschen oft vergessen, besonders die, die nicht auf die Straße gehen und ihre Meinung rausschreien oder auf Instagram oder TikTok ihre Meinung rausposaunen. Also dachte ich mir, wenn ich mich sowieso schon in meiner Community engagiere, kann ich auch gleich etwas Größeres machen, etwas Politischeres, eher auf der Ebene der ganzen Stadt.
Alina Shub
Citizen Scientist, Düsseldorf
Ich wollte mich mehr in der Community engagieren, und mein Praktikum richtet sich eher an, sagen wir, unterrepräsentierte Studierende. Und nachdem ich mitbekommen habe, dass Leute wie ich in meiner eigenen Community nicht wirklich repräsentiert sind, wollte ich das irgendwie ändern.
Hailey Dagout
Citizen Scientist, Charlotte
Die Teilnahme als Mitforschende sollte allen jungen Menschen unabhängig von ihrem demografischen, sozialen oder bildungsbezogenen Hintergrund offenstehen und zugänglich sein. Gleichzeitig sollte berücksichtigt werden, dass die Teilnahme an „Co-Creating Our City“ ein hohes Maß an Engagement von den Teilnehmenden erfordert. Daher sollte bereits im Rahmen der Gewinnung der Mitforschenden auf deren Motivation zur Teilnahme geachtet werden. Zusätzlich zur Motivation können bei der Bewerbung Angaben wie Alter, Geschlecht, Wohnort und Schulform erfasst werden.
Solltest du mehr Bewerbungen von potenziellen Mitforschenden erhalten, als Plätze zur Verfügung stehen, kannst du diese Informationen und Hintergrundmerkmale nutzen, um eine passende und vielfältige Gruppe an Teilnehmenden auszuwählen.
Wege, um junge Menschen zu erreichen
Um junge Menschen zu erreichen, empfiehlt es sich, mit etablierten Akteur*innen der Jugendarbeit in der eigenen Stadt oder Gemeinde zusammenzuarbeiten. Über diese Netzwerke lassen sich junge Menschen ansprechen, die bereits in Jugendzentren, im ehrenamtlichen Engagement oder in Vereinen aktiv sind. Über Schulen lässt sich zudem ein breiteres Publikum junger Menschen erreichen.
Informationen über das Projekt sollten so formuliert und aufbereitet werden, dass sie für junge Menschen ansprechend und verständlich sind, beispielsweise in einer kurzen und prägnanten Sprache oder als ansprechend gestaltetes Poster oder Faltblatt. Soziale Medien und Webseiten sind wichtige Informationsquellen für junge Menschen und können genutzt werden, um zur Teilnahme aufzurufen. Um junge Menschen über das Projekt zu informieren, sollte zunächst herausgefunden werden, welche sozialen Medien und Webseiten sie kennen und nutzen. Dazu können beispielsweise Veranstaltungskalender, lokale Micro-Influencer*innen oder Blogs gehören.
Fallstudie: Strategien zur Ansprache junger Menschen im Rahmen des Pilotprojekts „Co-Creating Our City“ in Düsseldorf
| Düsseldorf | |
|---|---|
| Netzwerke | - Versand von Informationen an lokale Partner*innen in der Jugendarbeit über das Amt für Jugend und Soziales - Versand von Informationen und direkte Anwerbung über Jugendverbände, die Mitglieder des Jugendrings sind - Auswahl von Vertreter*innen aus dem städtischen Jugendrat - Gewinnung von Teilnehmenden über persönliche Netzwerke (Lehrkräfte, Sozialarbeiter*innen in der Jugendarbeit) |
| Offline | - Plakate und Flyer, die in Jugendzentren, Schulen und bei Sitzungen des Jugendparlaments ausgehängt und verteilt wurden |
| Online | - Website und Social-Media-Beiträge über den Jugendring Düsseldorf - Offizielle Projekt-Website mit Hintergrundinformationen und Informationen für Eltern/Erziehungsberechtigte |
Altersgruppe
Der Ansatz von „Co-Creating Our City“ eignet sich für eine breite Altersspanne junger Menschen. Die pädagogischen Konzepte und die Kommunikation sollten jedoch an das Alter der jungen Teilnehmenden angepasst werden, mit denen letztlich gearbeitet wird.
Bei der Zusammenarbeit mit jüngeren Mitforschenden und solchen, die nur über geringe Vorkenntnisse beispielsweise in den Bereichen Sozialforschung, Kommunalpolitik oder Stadtverwaltung verfügen, ist es besonders wichtig, eine einfache Sprache zu verwenden und darauf zu achten, dass Workshops und Sitzungen eher kurz und in ihrem Format abwechslungsreich gestaltet werden, beispielsweise durch Bewegungs- und spielerische Elemente, die es den Mitforschenden ermöglichen, sich selbst mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Ältere Teilnehmende, die bereits Erfahrungen mit Jugendbeteiligung gesammelt haben oder über ein tieferes Verständnis von Forschung bzw. Vorwissen verfügen – z. B. junge Menschen, die sich zuvor bereits bei städtischen Einrichtungen engagiert haben oder an einer Hochschule oder Universität studieren –, benötigen mehr Gelegenheiten für vertiefende Diskussionen und zur Äußerung ihrer Standpunkte. Workshops können in diesem Fall länger gestaltet werden und sollten Raum dafür bieten, dass junge Menschen das Projekt mitgestalten und Ideen austauschen können. Bei größeren Unterschieden im Alter, im Bildungshintergrund oder in den bisherigen Erfahrungen der Teilnehmenden kann es schwieriger sein, ein ausgewogenes Format zu finden.
Bei der Arbeit mit jüngeren Menschen, insbesondere mit Minderjährigen, besteht eine zusätzliche Verantwortung, die geltenden Schutzbestimmungen einzuhalten und die Zustimmung der Eltern oder gesetzlichen Vertreter*innen einzuholen. Um für Klarheit zu sorgen und eine Ansprechperson für Fragen zu benennen, kann es sinnvoll sein, den Erziehungsberechtigten ein Dokument mit den Erwartungen und Schutzmaßnahmen des Projekts sowie den Kontaktdaten der zuständigen Ansprechperson zur Verfügung zu stellen. Zu Beginn des Projekts kann außerdem ein Abendtermin für Eltern und Erziehungsberechtigte angeboten werden. Das Alter der Teilnehmenden beeinflusst auch ihre Mobilität und ihre Möglichkeiten, an Workshops teilzunehmen oder Forschungsarbeiten durchzuführen.
Vergütung und Anreize
Um junge Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zur Teilnahme zu motivieren, muss das Projektteam die Bereitschaft signalisieren, Hürden abzubauen und auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Die Teilnahme muss kostenlos sein, und die Fahrtkosten sowie die Verpflegung für die Workshops müssen übernommen werden. Dies sollte während der Rekrutierungsphase klar kommuniziert werden.
Neben der Übernahme der Fahrt- und Verpflegungskosten der Mitforschenden kann auch die Bereitstellung von Anreizen in Form einer direkten Vergütung, von Gutscheinen oder Geschenken ein wichtiges Signal senden, dass das Projekt ihre Zeit, ihren Einsatz und ihr Fachwissen anerkennt und wertschätzt. Solche Anreize können zu mehr Gleichberechtigung beitragen und die Mitforschenden dazu motivieren, sich über die gesamte Projektdauer hinweg zu engagieren. Besonders wichtig können sie für junge Menschen sein, die mit finanziellen oder zeitlichen Einschränkungen oder mit beidem konfrontiert sind, beispielsweise aufgrund einer Teilzeitbeschäftigung oder längerer Anfahrtswege. Gleichzeitig können Anreize verdeutlichen, dass die Beiträge junger Menschen genauso wertgeschätzt werden wie die der Mitarbeitenden der Stadtverwaltung.
Bevor du Anreize in Erwägung ziehst, solltest du Folgendes bedenken:
- Anreize können unbeabsichtigt dazu führen, dass sich die Motivation von einer intrinsischen zu einer stärker transaktionalen Motivation verschiebt. Dadurch können ungleiche Dynamiken zwischen den Teilnehmenden entstehen, insbesondere wenn einige Teilnehmende (z. B. erwachsene Entscheidungsträger*innen) nicht vergütet werden.
- Anreize können ethische und budgetäre Fragen aufwerfen. Plane sorgfältig, welche Anreize dein Budget abdecken kann, und stelle sicher, dass du weißt, wie diese im Einklang mit Arbeits- und Beschäftigungsrecht ausgezahlt werden können (direkt, als Gutscheine, bis zu einer bestimmten Grenze).
- Du kannst in Erwägung ziehen, bereits zu Beginn der Gewinnung von Teilnehmenden auf mögliche Anreize hinzuweisen oder diese anzubieten, um auch junge Menschen zu erreichen, die andernfalls möglicherweise nicht teilnehmen könnten. Alternativ können Anreize zu einem späteren Zeitpunkt im Projekt als Dankeschön eingesetzt werden.
Neben finanziellen Anreizen oder Zeichen der Anerkennung können auch eine Teilnahmebescheinigung für das Projekt sowie ein Nachweis über die vermittelten Inhalte und Fähigkeiten einen hilfreichen Anreiz darstellen. Dies gilt insbesondere für Teilnehmende, die sich im Übergang von der Schule in eine Ausbildung oder eine weiterführende Bildung befinden und möglicherweise Nachweise über ihre Weiterbildungs- oder Entwicklungserfahrungen benötigen.
Fallbeispiel: Anreize und Anerkennung der Teilnehmenden in Charlotte
Bei der Gewinnung der Teilnehmenden wurde keine finanzielle Vergütung erwähnt. Stattdessen wurde beschlossen, den Teilnehmenden am Ende jedes Workshops Geschenkkarten im Wert von 25 US-Dollar zur Verfügung zu stellen. Die Teilnehmenden zeigten sich dafür dankbar, einige merkten jedoch an, dass dies nicht notwendig gewesen sei.
Du kannst die Teilnehmenden auch nach ihren Präferenzen fragen und ihnen dafür eine vorher festgelegte Auswahl an Möglichkeiten anbieten. Die Jugendlichen in Charlotte bevorzugten als Gruppe Amazon-Geschenkkarten, die auch ursprünglich ausgewählt worden waren.
Gewinnung von Entscheidungsträger*innen der Stadtverwaltung
Eines der Ziele des Projekts ist es, den Dialog zwischen jungen Menschen und Entscheidungsträger*innen sowie Vertreter*innen der Stadtverwaltung zu fördern. Die Einbindung sowohl junger Menschen als auch von Vertreter*innen der Stadtverwaltung ist entscheidend, damit die Mitforschenden städtespezifische Vorschläge entwickeln können, die sich unmittelbar umsetzen lassen. Um dies zu ermöglichen, zielen die „Co-Creating Our City“ -Projekte darauf ab, Entscheidungsträger*innen sowie Vertreter*innen der Stadtverwaltung oder des Stadtrats in die Gruppe der Mitforschenden einzubeziehen.
An wen man sich wenden kann
Für den Erfolg von deinem „Co-Creating Our City“- Projekt lohnt es sich, Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltung einzubeziehen – und zwar nicht nur diejenigen, die sich auf Jugendarbeit konzentrieren oder bereits mit jungen Menschen zusammenarbeiten. Entscheidungsträger*innen, die normalerweise nicht mit jungen Menschen ins Gespräch kommen, können besonders davon profitieren, als Mitforschende teilzunehmen. Ebenso ist es für junge Menschen wichtig, bei Themen mitreden zu können, die über die Bereiche Jugendpolitik und Bildung hinausgehen. Unsere Umfrage unter jungen Menschen in Charlotte hat gezeigt, dass junge Menschen besonders daran interessiert waren, in Bereichen wie Wirtschaftsförderung, Stadtplanung und -entwicklung, Technologie und Innovation sowie Kommunikation und Marketing mitreden zu können.
Bei der Ansprache von Entscheidungsträger*innen sollten die jeweiligen politischen und administrativen Strukturen berücksichtigt werden. Bei der Auswahl erwachsener Mitforschender empfiehlt es sich, sich auf Bereiche zu konzentrieren, in denen die Stadtverwaltung eigene Entscheidungsspielräume hat. In Düsseldorf wurden beispielsweise Entscheidungsträger*innen aus Bereichen wie Bildung und Jugendarbeit in das Projekt einbezogen, da junge Menschen diese als wichtige Bereiche für eine stärkere Beteiligung betrachteten und die Stadt in diesen Bereichen über einen gewissen Handlungsspielraum verfügt. In Charlotte ist die Stadtverwaltung hingegen nicht an der Schulverwaltung beteiligt, da diese von einem unabhängig gewählten Bildungsrat übernommen wird. Daher wurden diese Bereiche dort nicht als mögliche Themen für die Beteiligung von Entscheidungsträger*innen diskutiert.
Wenn du dich dafür entscheidest, lokale Politiker*innen einzubeziehen oder über parteipolitische Organisationen zu rekrutieren, ist es entscheidend, die Gewinnung von Entscheidungsträger*innen überparteilich zu gestalten oder zumindest alle Parteien bzw. Regierungskoalitionen gleichermaßen anzusprechen. Die Vertretung verschiedener politischer Gruppen innerhalb der Stadtverwaltung ist für den Erfolg und die Wirkung des Projekts wichtig, weil sie (1) eine breite Unterstützung in der Community und bei den relevanten Akteur*innen sicherstellt und (2) dazu beiträgt, dass das Projekt und seine Lösungen über die Amtszeit der jeweiligen Stadtregierung hinaus Bestand haben und auch von zukünftigen Stadtregierungen angenommen und umgesetzt werden.
Im Düsseldorfer Pilotprojekt informierte das Projektteam beispielsweise alle Mitglieder des Jugendhilfeausschusses und lud sie unabhängig von ihrer politischen Zugehörigkeit zur Teilnahme ein.
Die Zusammenarbeit mit Schlüsselfiguren
Um Entscheidungsträger*innen anzusprechen und ihre Teilnahme am Projekt zu gewinnen, ist es notwendig, die Verwaltungsstrukturen, Hierarchien und Abläufe innerhalb der Stadt zu verstehen. Schlüsselfiguren und Unterstützende mit guten Kontakten und Einfluss in der Stadtverwaltung oder Kommunalpolitik können helfen, den Zugang zu städtischen Mitarbeitenden als Mitforschende zu erleichtern. Ein weiterer großer Vorteil ist es, wenn die Stadt Arbeitszeit für Mitarbeitende zur Teilnahme am Projekt zur Verfügung stellt. Auch hier können Schlüsselfiguren dabei helfen, eine solche Unterstützung für das Projektteam zu ermöglichen.
Bei der Zusammenarbeit mit Schlüsselfiguren ist es wichtig, frühzeitig zu klären, wer die Kommunikation mit potenziellen Teilnehmenden übernimmt und welche Hierarchien oder Abläufe dabei berücksichtigt werden müssen. Mögliche Konfliktbereiche, die beispielsweise durch Machtverhältnisse entstehen können, sollten frühzeitig erkannt und nach Möglichkeit geklärt werden.
Wie man sich an Vertreter*innen in der Stadtverwaltung wendet
Um für das Projekt zu werben, benötigen Entscheidungstragende der Stadt eine klare und prägnante Einführung in das Projekt. Diese sollte Informationen zum Konzept und zur Vision, zum Ablauf, zu den beteiligten Akteur*innen und zu den angestrebten Ergebnissen enthalten. Außerdem sollte angegeben werden, welcher zeitliche Aufwand erwartet wird und ob die Veranstaltungen während der Arbeitszeit stattfinden bzw. als Arbeitszeit anerkannt werden. Diese Informationen sollten auf einer einseitigen Übersicht (One-Pager) zusammengefasst werden.
Ein Beispiel dafür ist in unserer Sammlung von Ressourcen.
Bei der Ansprache von Entscheidungsträger*innen ist es besonders wichtig hervorzuheben, wie sich der Ansatz des Projekts von bestehenden Aktivitäten und Angeboten zur Jugendbeteiligung unterscheidet und diese ergänzt. Entscheidungsträger*innen in der Stadtverwaltung brauchen überzeugende Gründe dafür, warum sie ihre begrenzte Zeit in das Projekt investieren sollten. Folgende Punkte können dabei angeführt werden:
- Die Einbeziehung der Stimmen junger Menschen gewährleistet, dass die Stadtverwaltung inklusiv und nachhaltig ist.
- Der strukturierte Austausch mit jungen Menschen eröffnet wertvolle Perspektiven.
- Der angewandte Citizen-Science-Ansatz führt zu fundierten, von jungen Menschen geleiteten Erkenntnissen.
- Der Prozess bringt Ideen für lebendige Communities hervor, die von jungen Menschen und Entscheidungsträger*innen in den Städten gemeinsam entwickelt und getragen werden.
Ich lerne Dinge, die ich vorher nicht wusste, etwa wie junge Menschen angesprochen werden möchten und woran sie interessiert sind. Das ermöglicht es uns, diese Informationen mitzunehmen und unsere Programme so anzupassen, dass sie besser zu dem passen, was junge Menschen wollen, und das mit dem zu verknüpfen, was sie tatsächlich brauchen.
Dr. Raquishela Stewart
Stadt Charlotte