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Hürden und wie sie sich bewältigen lassen ​

Ein partizipativer Forschungsprozess mit jungen Menschen und Mitarbeitenden der Stadtverwaltung als Mitforschende bietet viele Chancen, bringt aber auch besondere Herausforderungen mit sich. Besonders langsamer Fortschritt und eine eingeschränkte Beteiligung der Mitforschenden können dem Projekt zusetzen, wenn diese Herausforderungen nicht rechtzeitig angegangen werden.

Aus unserer Erfahrung mit den „Co-Creating Our City“ -Pilotprojekten in Charlotte und Düsseldorf haben sich mehrere wiederkehrende Herausforderungen gezeigt. Wer diese möglichen Stolpersteine frühzeitig bedenkt und ihnen vorbeugt oder gezielt auf sie reagiert, vermeidet Verzögerungen, stärkt die Beteiligung und ebnet den Weg zu bedeutsamen und gemeinsam erarbeiteten Ergebnissen.

1. Terminkonflikte und Anwesenheit ​

Regelmäßige Teilnahme an Workshops kann eine Herausforderung sein, sowohl für junge Menschen als Mitforschende als auch für Mitarbeitende der Stadtverwaltung. Junge Menschen sind während des Schuljahres oft mit Schule und Prüfungen ausgelastet, während städtische Mitarbeitende ihre Rolle als Mitforschende neben ihrem eigentlichen Job bewältigen müssen. Es mag verlockend erscheinen, Termine auf Abende und Wochenenden zu legen, dies kann jedoch Mitarbeitende und junge Menschen benachteiligen, die auf Nebenjobs angewiesen sind.

Lösung: Wichtige Termine, etwa für Workshops, frühzeitig festlegen und kommunizieren, dabei bekannte Stoßzeiten wie Sommerferien oder anstehende Wahlen vermeiden. Weniger, dafür längere Einheiten in Betracht ziehen (zum Beispiel an Wochenenden), um die zeitliche Belastung zu verringern und Kontinuität zu gewährleisten. Workshop-Orte konstant halten, um die mentale Belastung zu senken und Vertrautheit aufzubauen.

2. Engagement und Motivation aufrechterhalten ​

Anfängliche Begeisterung schlägt sich nicht immer in anhaltendem Engagement der Mitforschenden nieder. Es kann schwierig sein, den Schwung zwischen den Workshops zu halten und bei Aufgaben voranzukommen, etwa bei der Durchführung von Befragungen oder Interviews. Da Mitforschende sich ehrenamtlich einbringen, braucht die Umsetzung zugesagter Aufgaben mitunter mehr Zeit oder gestaltet sich schwieriger als geplant. Das kann sich auf zentrale Schritte im Forschungsprozess auswirken, etwa auf die Datenerhebung oder -auswertung, die dadurch verzögert, lückenhaft oder uneinheitlich ausfallen können.

Lösung: Von Anfang an klare Erwartungen an die Art des Engagements und den voraussichtlichen Arbeitsaufwand festlegen. Forschungsmethoden und Aktivitäten gemeinsam entwickeln, die innerhalb des Zeitrahmens realistisch umsetzbar sind und großzügig Pufferzeit einplanen. In Betracht ziehen, praktische Forschungsaktivitäten direkt in die Workshop-Zeit zu integrieren, um Fortschritt sicherzustellen, auch wenn Teilnehmende durch andere Verpflichtungen eingebunden sind.

3. Klare Rollen für alle Beteiligten schaffen ​

Die Rollen von Mitarbeitenden der Stadtverwaltung, die als Mitforschende agieren, müssen klar definiert werden. In unseren Pilotstädten war nicht immer klar, worin ihre Rollen bestanden und wie viel sie beitragen sollten, ohne den jungen Menschen die Führung des Prozesses zu nehmen. Dadurch bestand die Gefahr, dass ihre einzigartigen und wertvollen Beiträge ungenutzt blieben, und es entstanden Machtungleichgewichte zwischen den Mitforschenden.

Lösung: Rollen und gegenseitigen Nutzen offen und frühzeitig im Prozess besprechen. Alle dazu ermutigen, sich aktiv an Workshops und Aufgaben zu beteiligen, während der Prozess weiterhin von den Teilnehmenden geleitet wird, um den Citizen-Science-Gedanken zu bewahren. Machtungleichgewichten proaktiv begegnen, etwa indem Mitarbeitende der Stadtverwaltung vor den ersten Workshops mit jungen Menschen eingewiesen und geschult werden.

4. Kommunikation und gemeinsame Nutzung von Ressourcen ​

Digitale Kollaborationstools wie Google Drive können zwar sehr nützlich sein, stellen aber eine zusätzliche Belastung für Mitforschende dar, besonders für jene, die sie nicht routinemäßig nutzen oder noch nie mit der gewählten Plattform gearbeitet haben. In unseren Pilotstädten nutzten nur wenige Mitforschende Online-Kollaborationstools.

Lösung: Für Updates und Erinnerungen eher Kommunikations- und Kollaborationstools nutzen, die die Teilnehmenden bereits verwenden, etwa Messaging-Apps. In Workshops zeigen, wie Kollaborationstools funktionieren und wie sich damit Ressourcen teilen lassen, und sie direkt in die Aufgaben der Sitzungen einbinden, damit Mitforschende ihre Anwendung sehen und den Umgang mit ihnen gemeinsam üben können.

5. Engpässe bei der Datenerhebung und -auswertung ​

Die Durchführung und Auswertung vieler Interviews oder einer groß angelegten Befragung kann sehr ressourcenintensiv sein und mehr Kapazitäten und Personalzeit erfordern, als zur Verfügung stehen. In unseren Pilotstädten waren Mitforschende nur wenig in die Datenauswertung eingebunden und verpassten dadurch einen wichtigen Schritt bei der Deutung der Daten.

Lösung: Forschungs- und Erhebungsmethoden wählen (etwa qualitative Interviews oder Online-Befragungen), die angesichts der verfügbaren Ressourcen und Personalkapazitäten gut zu bewältigen sind. Bei groß angelegten Befragungen sollte zusätzliches Personal oder Partnerorganisationen für die Ansprache und Gewinnung von Teilnehmenden eingebunden werden. In den Workshops feste Zeiten für die gemeinsame Datenerhebung oder -auswertung mit der ganzen Gruppe einplanen, damit die Perspektiven junger Menschen in die Interpretation der Ergebnisse einfließen.

6. Wissensaustausch und Arbeitsfortschritt in Balance halten ​

Workshops müssen den Wissensaustausch zwischen Forschenden, jungen Mitforschenden und Mitarbeitenden der Stadtverwaltung in den Mittelpunkt stellen, gleichzeitig aber auch die Zeit effizient nutzen, um Mitforschende zu schulen, Vorbereitungen zu treffen und Arbeit voranzubringen. Workshops müssen also Raum für sowohl Lernen als auch Tun bieten. In unseren Pilotprojekten erwies es sich zeitweise als schwierig, die richtige Balance zu finden.

Lösung: Arbeitspakete entwickeln, die sich modular in Workshops und Präsenzsitzungen einsetzen lassen. Die Workshop-Planung an den Projektfortschritt und die Bedürfnisse der Mitforschenden anpassen, um eine Balance aus Kompetenzvermittlung, Diskussion und praktischer Forschungsarbeit sicherzustellen.

7. Beziehungen aufbauen und externe Möglichkeiten nutzen ​

Es ist zwar entscheidend, Mitforschende in die Kommunikation und Verbreitung der Forschungsergebnisse einzubinden, doch das Projekt legt auch Wert auf Vernetzung und Beziehungsaufbau über das Team der Forschenden und Mitforschenden hinaus. In unseren Pilotstädten reagierten junge Menschen positiv auf externe Vernetzungsmöglichkeiten (etwa Auftritte bei Veranstaltungen oder in den Medien) und schätzten den Raum, der für den Beziehungsaufbau geschaffen wurde.

Lösung: Die ersten Workshops nutzen, um Vertrauen zwischen den Mitforschenden und den Zusammenhalt der Gruppe aufzubauen. Mitforschenden zusätzliche Möglichkeiten bieten, um sich über die Kerngruppe und die Workshop-Zeit hinaus zu vernetzen und so Motivation und Lernerfahrung zu erweitern.