Fünf Schritte zur Organisation deines „Co-Creating Our City“-Projekts
Der Forschungsprozess mit Citizen Science und Co-Creation umfasst fünf zentrale Schritte. Jeder Schritt spielt eine wichtige Rolle dabei, sinnvolle Beteiligung und wirksame Ergebnisse sicherzustellen.
- Ein gemeinsames Forschungsziel definieren: Beziehe unterschiedliche Perspektiven ein und ergründe gemeinsam mit den Mitforschenden, was für die Community relevant ist.
- Methodischen Ansatz festlegen: Überlege, was zur Forschungsfrage passt, und berücksichtige die Ideen, Zugänge und gelebten Erfahrungen der Mitforschenden.
- Daten erheben: Schule Mitforschende und binde sie in die Datenerhebung ein.
- Daten auswerten: Schule Mitforschende und binde sie in die Datenauswertung ein.
- Ergebnisse verbreiten und nutzen: Fasse zentrale Empfehlungen zusammen und wähle zugängliche Formen der Präsentation und Kommunikation, die zu deinen Zielgruppen passen.

Folge diesen Schritten, um dein eigenes „Co-Creating Our City“ -Projekt erfolgreich durchzuführen, und wirf einen genaueren Blick auf die Details zu jedem einzelnen Schritt: konkrete Ziele, Aufgaben und praktische Überlegungen.
Schritt 1: Ein gemeinsames Forschungsziel definieren
Ein klares Ziel zu definieren ist für jedes Forschungsprojekt entscheidend, insbesondere für ein „Co-Creating Our City“ -Projekt. Zu Beginn sollte sich dein Projektteam damit befassen, welcher Wandel nötig ist und warum, und festlegen, welche konkreten Herausforderungen oder Wissenslücken ihr untersuchen möchtet.
Um dies gemeinsam mit Mitforschenden zu tun, ist es wichtig, vielfältige Ideen dazu zu sammeln, welche Art von Wandel eure Community braucht und welche Ziele ihr verfolgen möchtet, zum Beispiel in einer Brainstorming-Sitzung mit euren Mitforschenden. So entsteht eine breite Perspektive, die in eurer Community verwurzelt ist, und die Gruppe kann alle möglichen Interessensbereiche erkennen, auch solche, an die ihr zuvor vielleicht nicht gedacht habt. Es ist wichtig, in diesem ersten Schritt offen und flexibel zu bleiben und sich an neue Ideen und Rückmeldungen der Mitforschenden anpassen zu können, während sich die Projektziele weiterentwickeln.
Im nächsten Schritt hilft es, Gemeinsamkeiten zwischen allen möglichen Zielen und Interessensbereichen zu identifizieren, etwa indem zusammenpassende Aspekte gruppiert werden. Das erleichtert die Priorisierung und ermöglicht die Auswahl einer Forschungsfrage sowie, wo nötig, das Eingehen von Kompromissen.
Bei der Festlegung eines Forschungsziels für dein Projekt sollten zwei Arten von Zielen berücksichtigt werden:
- Wissensziele (Welches Wissen wird benötigt, um dies zu erreichen?). Diese definieren, welche Art von Information und Verständnis erreicht werden soll.
- Praktische Ziele (Was soll getan werden?). Diese sind wichtig für die Wirkung, die die Forschung erzielen soll.
Bei der Formulierung von Forschungszielen für ein „Co-Creating Our City“ -Projekt kann es sinnvoll sein, die SMART-Kriterien zu nutzen: Ziele sollten Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert sein. Die Anwendung der SMART-Kriterien auf die gewählten Forschungsziele sorgt für Klarheit, Machbarkeit und Verantwortlichkeit und trägt dazu bei, dass das Projekt Forschungsergebnisse erzielt, die sowohl bedeutsam als auch direkt umsetzbar sind.
Auf Grundlage der gewählten Forschungsziele lässt sich schließlich eine fokussierte und konkrete Forschungsfrage entwickeln. Diese Forschungsfrage leitet den weiteren Forschungsprozess.
Fallbeispiel: Forschungsziele und Forschungsfrage aus dem „Co-Creating Our City“-Pilotprojekt in Düsseldorf
Dieses Beispiel zeigt, wie in dem Pilotprojekt in Düsseldorf Forschungsziele erarbeitet und daraus eine übergeordnete Forschungsfrage entwickelt wurde.
Wissensziele:
- Verstehen, wie sich junge Menschen in Düsseldorf fühlen und welche Wünsche sie hinsichtlich ihrer Möglichkeiten haben, sich politisch und in ihren Communities einzubringen.
- Verstehen, welche Hürden junge Menschen erleben und was einen produktiven Dialog zwischen der Stadtverwaltung und jungen Menschen erschwert.
Praktische Ziele:
Alle jungen Menschen in Düsseldorf erreichen, insbesondere jene, die sonst übersehen werden, zum Beispiel marginalisierte junge Menschen oder solche, die sich bisher nicht mit städtischen Institutionen oder Organisationen des Dritten Sektors auseinandersetzen.
Ideen und Lösungen entwickeln, wie Hürden für die Beteiligung junger Menschen in Düsseldorf abgebaut werden können.
Forschungsfrage:
Was muss geschehen, damit sich ALLE jungen Menschen in Düsseldorf mit politischen Themen auseinandersetzen können?
Wie sich der Prozess an die eigene Stadt anpassen lässt
Schritt 1 und der Beginn der Zusammenarbeit mit Mitforschenden sind auch ein guter Moment, um:
- bereits vorhandene Daten zur Jugendbeteiligung in der Community vorzustellen,
- relevante städtische Fachbereiche und wichtige Mitarbeitende vorzustellen,
- aktuelle Themen und Debatten in der Stadt zu besprechen, und
- grundlegende Informationen zur Stadtverwaltung zu teilen.
Wird dieser Art von Kontextinformation früh geteilt, etwa im ersten oder zweiten Workshop, hilft das allen Beteiligten dabei, sich des lokalen Kontexts bewusst zu sein, und richtet die Forschungsziele an laufenden Governance- und Politikdiskussionen aus.
Schritt 2: Methodischen Ansatz festlegen
Der gewählte Ansatz für das Forschungsprojekt sollte es dem Team der Mitforschenden ermöglichen, die Forschungsfrage zu beantworten und die gewählten Forschungsziele zu erreichen. Wichtig ist, dass die Methoden zur Forschungsfrage passen, aber auch, dass sie robust sind und das einzigartige Wissen, die Zugänge und die Fähigkeiten der Mitforschenden einbeziehen.
Der erste Schritt bei der Entscheidung für einen methodischen Ansatz besteht darin zu klären, welche Daten benötigt werden, um die Forschungsfrage zu beantworten, wer diese Daten wann erheben kann und wie sie ausgewertet werden. Die Mitforschenden verfügen über einzigartiges Wissen über ihre Community und einzigartigen Zugang zu ihnen, was bei Entscheidungen über die Forschungsmethoden berücksichtigt werden sollte.
Um eine wirksame Beteiligung zu ermöglichen, kann es notwendig sein, Mitforschende in grundlegenden Methoden der Sozialforschung zu schulen und so ihr Selbstvertrauen und ihre Fähigkeit zu stärken, sinnvoll beizutragen und bei der Datenerhebung zu helfen. Dazu gehört auch zu berücksichtigen, welche Unterstützung die Mitforschenden benötigen könnten, um bei der Datenerhebung mitwirken zu können, etwa finanzielle Mittel, Zeit oder zusätzliche Unterstützung. Werden all diese Aspekte berücksichtigt, wird der Forschungsprozess kollaborativer, stärkender und inklusiver für alle Beteiligten.
In der Sozialwissenschaft nutzen viele Projekte Mixed-Methods-Ansätze. So können sich verschiedene Methoden gegenseitig ergänzen und unterschiedliche Teile des Forschungsproblems lösen, wie in diesem Projekt, in dem drei Methoden kombiniert wurden.

Schritt 3: Daten erheben
In der partizipativen Forschung erfolgt die Datenerhebung gemeinsam durch Forschende und geschulte Citizen Scientists. Dadurch können Forschende auf größere Teams von Datensammelnden zurückgreifen, erhalten einzigartigen Zugang zu den erforschten Communities und stellen sicher, dass unterschiedliche Perspektiven in die Daten einfließen.
Um eine echte Beteiligung zu ermöglichen und sich an die Umstände und Zeitpläne der Mitforschenden anzupassen, sollte die Phase der Datenerhebung mit ausreichend Zeit geplant werden und etwas Flexibilität zulassen. Besonders in den frühen Phasen der Datenerhebung kann es sinnvoll sein, in kleinen Teams aus Forschenden und Mitforschenden zu arbeiten, da dies Vertrauen aufbaut und allen hilft, sich mit den Methoden der Datenerhebung vertraut zu machen. In späteren Phasen kann eine Arbeitsteilung dabei helfen, mehr und bessere Daten zu sammeln, da du dich auf dein Team von Mitforschenden verlassen kannst, um Beobachtungen, Interviews oder Befragungen durchzuführen.
Es ist entscheidend, dass jeder Schritt der Datenerhebung transparent und nachvollziehbar bleibt, sodass alle Teilnehmenden verstehen können, welche Entscheidungen getroffen wurden und warum. Dieser Ansatz sorgt für vielfältige Beiträge zu den erhobenen Daten, stärkt das Vertrauen in deren Validität und fördert eine gemeinsame Verantwortung für die Ergebnisse.
Also, ich finde, die jungen Menschen sind wirklich fantastisch. Wir haben 89 Befragungen mit Menschen in ihrem Alter durchgeführt sowie eine Reihe von Einzelinterviews und eine Fokusgruppe. Sie haben sich wirklich reingehängt, um herauszufinden, welche Informationen sie eigentlich wollten. Und sie haben sich einfach freiwillig darum gekümmert, jeden Teil der Arbeit und der Präsentation zu übernehmen und mit Erwachsenen über dieses Projekt zu sprechen, was ich wirklich beeindruckend finde.
Katarina Moyon
Projektleitung, Stadt Charlotte
Schritt 4: Daten auswerten
In der partizipativen Forschung ist es entscheidend, Methoden der Datenauswertung zu wählen, die sowohl zur Forschungsfrage als auch zu den beteiligten Mitforschenden passen. Wird zum Beispiel eine einfachere Auswertungsmethode gewählt, zu der die Mitforschenden beitragen können, statt einer komplexen Methode, die spezifisches Fachwissen erfordert, ermöglicht das ihre sinnvolle Beteiligung an der Auswertung und Interpretation der Daten.
Durch die Einbindung von Wissen und Fähigkeiten der Mitforschenden in den Auswertungsprozess lassen sich die Ergebnisse vertiefen und relevanter gestalten. Auch wenn Mitforschende möglicherweise keine Erfahrung in der Datenauswertung mitbringen, bringen sie vielfältige und kontextbezogene Wissensformen in die Analyse ein, etwa dazu, wie die Daten vor dem Hintergrund ihres Wissens über die eigene Community zu interpretieren sind.
Entscheidend ist, dieses kontextbezogene Wissen als wertvolle und einzigartige Grundlage für die Interpretation der Daten anzuerkennen. Als forschende Person sollte man sich deshalb darauf konzentrieren, die Daten für die Interpretation aufzubereiten sowie die Mitforschenden während der Datenauswertung zu koordinieren, zu moderieren und anzuleiten. So bleibt der Auswertungsprozess kollaborativ und bezieht die reichen und vielfältigen Perspektiven der Mitforschenden mit ein.
Schritt 5: Ergebnisse verbreiten und nutzen
Um Forschungsergebnisse wirksam zu nutzen und die angestrebte Wirkung und Veränderung zu erzielen, ist sorgfältige Planung nötig. In dieser Phase lohnt sich ein Blick zurück auf die Forschungsziele sowie die Überlegung, welche Zielgruppen informiert werden sollen und welche Art von Veränderung auf Grundlage der Daten und Erkenntnisse angestrebt wird.
Der erste Schritt besteht darin, die konkreten Zielgruppen zu identifizieren, denen die Ergebnisse vermittelt werden sollen, damit Erkenntnisse und Empfehlungen diejenigen erreichen, für die sie am relevantesten und wirkungsvollsten sind. Es kann sinnvoll sein, die Ergebnisse mehreren unterschiedlichen Zielgruppen zu präsentieren und mit ihnen zu diskutieren, etwa jungen Menschen, einer bestimmten Community und politischen Entscheidungsträger*innen.
Als Nächstes ist es entscheidend, die Ergebnisse angemessen und zugänglich aufzubereiten und zu präsentieren, wobei Auswahl und Darstellung der Informationen auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten werden sollten. Politische Entscheidungsträger*innen schätzen zum Beispiel konkrete schriftliche Ergebnisse und Empfehlungen sowie eine kurze Zusammenfassung dazu, wie die Erkenntnisse erhoben wurden, während die breite Öffentlichkeit eher von kreativeren Visualisierungen der Daten und Ergebnisse profitiert. Wird die Kommunikation der Ergebnisse gezielt auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet, erhöht das zusätzlich die Reichweite der Forschungsergebnisse und stellt sicher, dass sie je nach den besonderen Bedürfnissen jeder Zielgruppe möglichst wirksam präsentiert werden.
Abschließend sollte überlegt werden, wie die Mitforschenden explizit und namentlich gewürdigt werden können, etwa durch Ko-Autor*innenschaft oder indem sie gebeten werden, Ergebnisse in Meetings, Blogs oder lokalen Medien selbst zu präsentieren. Das würdigt ihre Beiträge und fördert Fairness und Transparenz dabei, anzuerkennen, wer an der Forschung beteiligt war und sie möglich gemacht hat. Werden die Mitforschenden in die Verbreitung der Forschungsergebnisse einbezogen, fließen zudem ihre Perspektiven und Erfahrungen in die Präsentation der Ergebnisse ein, was verändern und mitunter verbessern kann, wie andere die Ergebnisse wahrnehmen und erleben. So wird die Verbreitung der Ergebnisse partizipativ, wirkungsvoll und respektvoll gegenüber allen Beitragenden.